
Welche Farbe hat der Mai?
Schmuckkalender der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz eG 2004
Die Kalender des Jahres 2003 hatten kaum ihren Platz gefunden, als in der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz eG der Wunsch reifte, für das Jahr 2004 wieder einen ganz besonderen Kalender herauszugeben. Dieser sollte nicht nur für die Prignitzer sein, sondern auch die Region mit ihrem herben und romantischen Charme einmal mehr ins rechte Licht rücken. Schnell war die Idee geboren, auf den Kalenderblättern Burgen, Herrenhäuser und Schlösser der Prignitz zu zeigen. Dieser Gedanke ist freilich nicht neu. Dennoch – es war an der Zeit, ihn erneut aufzugreifen. Diese Landschaft hat geschichtlich und architektonisch fantastische Bauwerke zu bieten; und das Sujet lässt vielfältige Interpretationen zu. Erstaunliche Perspektiven sind zu entdecken und laden zu neuen Besuchen und neuem Betrachten ein.
Beeindruckt von den Ensembles wählten wir eine romantisierende Darstellung aus Architektur, Natur und Kulturlandschaft. Wir wollten zeigen, wie viel in den letzten Jahren durch die neuen »Burgherren« bewegt wurde, um die alten Häuser in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Erst diese Sanierungsarbeiten ermöglichten uns ganz neue Ansichten. Ein vormals trauriger Anblick ist heute eine Augenweide. Wir wollten aber auch die landschaftlichen Schönheiten zeigen, in welche die Baudenkmäler eingebettet sind. Eine Vielzahl der Burgen, Gutshäuser und Schlösser in der Prignitz ist von herrlichen Parks umgeben, deren Anlagen nicht weniger sehenswert sind als die Bauwerke selbst. Entstanden sind Aufnahmen der schönsten und wertvollsten Baudenkmäler und Parks in der Prignitz, welche scharfsinnig, aber gleichwohl feinfühlig Charakter, Charme und Würde dieser geschichtsträchtigen Orte festhalten.
Die Bilder sind während eines begrenzten Zeitraumes, im Frühjahr des Jahres 2003, entstanden. Trotzdem sollte dieser Kalender, der auch Landschaft thematisiert, in seiner Gestaltung den Lauf der Jahreszeiten und jahreszeitliche Stimmungen widerspiegeln. Aus dem Kontrast zwischen diesem Anspruch und den sachlichen Gegebenheiten ist eine Kalenderidee entstanden, welche – so hoffen wir – einen Weg gefunden hat, diesen Gedanken umzusetzen. Einmal war dies möglich durch variierende Aufnahmesituationen: Zu unterschiedlichen Tageszeiten und bei wechselnden Wetterbedingungen entstanden Fotografien, welche durch ihre Farbigkeit und Komposition, warme und kalte, ruhige und bewegtere Stimmungen – den Jahreszeiten entsprechend – suggerieren. Ein weiteres Gestaltungsmittel war die korrespondierende Farbigkeit der Monatsblätter. Jedes Blatt hat seine eigene Grundfarbe, welche die Stimmung der Landschaft aufgreift und unterstreicht.


Das Jahr beginnt mit einem hellen Grau; kalt und reserviert zeigt sich der Winter im Januar. Beim Übergang zum Februar beherrscht ein helles Blau das Kalenderblatt. Man könnte dabei auch an die geschlossene Eisfläche eines Sees in der Nähe eines Dorfes denken. Die Landschaft hat sich in dieser Zeit wenig verändert. In einem zarten Mint präsentiert sich der März, kühl und ein wenig glasig. Erstes Grün regt sich. Die Schneeglöckchen und Krokusse zeigen sich mutig – Hoffnung auf den nahenden Frühling erwacht. Der April ist ein wilder Monat. Die Natur ist unentschlossen; bei wechselndem Wetter wird die Landschaft jedoch schon farbiger. Seine Darstellung ist genauso unentschlossen – mit einer Tendenz zum Rot, aber auch erdig.


Dann ist es entschieden. Der Frühling naht in einem Gewand von frischem und auffälligem Grün. Der Mai, dieser freundliche Monat, wird uns mit seiner Vielfarbigkeit bis zum Sommer begleiten. Sonnige, warme Tage und die kürzesten Nächte beschert uns der Juni – seine Farbe ist ein lichtes Gelb. Im Juli ist die Sonne ein stetiger Begleiter geworden. Die Farben der Natur werden kräftiger, manche Wiese trägt den ersten trockenen Halm. Die Farbe des Juli – ein kräftiges Orange. Der Monat der beginnenden Reife ist der August. Das Getreide auf den Feldern der Prignitz malt ausgedehnte ockerfarbene Flächen – so auch sein Kalenderblatt. Der September ist ein bewegter und farbenprächtiger Monat. Ihn verbindet einiges mit dem April; ein Übergang deutet sich an. Es ist der Monat der Ernte und Lese; pralle satt rote Äpfel leuchten in der Mittagssonne an den Bäumen. Die Nächte werden schon empfindlich kühl und in den letzten Tagen des Septembers färbt sich das Laub. Der September hüllt sich in ein sattes Weinrot. Das Braun des Oktobers symbolisiert die ausgelaugten und abgeernteten Felder. Der Wind hat die Blätter von den Bäumen und Sträuchern geblasen, das nun braun am Boden liegt – die Landschaften haben ihre Vielfarbigkeit verloren. Das dunkle Blau des Novembers lässt uns an einen Abendhimmel am Beginn einer kalten und sternenklaren Novembernacht denken. Der letzte Monat des Jahres, der Dezember, schließt den (Farb-)Kreis. In seinem dunklen kalten Grau ist schon die Farbe des Januars enthalten. In seinem Ende kündigt sich bereits der Neubeginn an.


Diese Gedanken sind natürlich sehr subjektiv. Der eine wird vielleicht bestätigt in den eigenen Assoziationen, ein anderer hingegen zu eigenen Überlegungen mit neuen Ergebnissen angeregt. Beides würde uns freuen. – Welche Farbe hat denn nun der Mai?
Peter Waesch · im September 2003
Und einmal zum Zurücklehnen:
Unsere Leistungen für dieses Projekt
Kalenderidee, Konzeption, Fotografie, Text, Grafikdesign & Druckproduktion
Gesamtleistungen für die VR Bank Prignitz
Corporate Design, Fotografie, Text, Grafikdesign & Druckerzeugnisse, Veranstaltungen